Vorbereitung ist alles

thomas_meyerUm kurz vor 6 Uhr schaltet Roland Meyer an diesem Morgen das Licht im Aufenthaltsraum ein. Für den 48 Jahre alten Bademeister Routine, wenn er Frühschicht hat. Denn vor dem ersten Ansturm müssen etliche Vorbereitungen getroffen sein, damit die Gäste einen angenehmen Tag im Haslacher Freibad verbringen können.

Die erste Aufgabe hat er auf dem Weg zum Aufenthaltsraum hinter dem Kassenbereich schon erledigt: Wenn er durch die kleine Tür zur Bundesstraße eintritt und nach vorn läuft, wirft er kritische Blicke über das Areal. „Es kann immer mal sein, dass wir nachts ungebetene Gäste hatten oder durch einen nächtlichen Sturm etwas aufs Gelände geflogen ist.“ Ist alles in Ordnung, startet die Routine. Sie beginnt mit einer Sichtkontrolle aller Räume. Sind genügend Toilettenrollen vorhanden, ist die Seife aufgefüllt? Im selben Arbeitsschritt werden Wärmehalle und Sammelumkleide aufgeschlossen.

Als nächstes schließt Meyer die Tür hinter dem Kiosk für die Frühschwimmer auf. „Manchmal warten sie schon“, sagt er. Aber heute nieselt es, und alles ist ruhig. Keine fünf Minuten später, noch bevor er die Becken mit Rutsche und Sprungturm erreicht, um die Sperrschilder abzuschrauben, hallt jedoch ein „guten Morgen“ übers Areal. Zwei Frühschwimmerinnen sind die ersten. Meyer winkt grüßend zurück. Dann kontrolliert er die Durchschreitebecken. „Da sammelt sich über Nacht oft Laub oder kleine Äste.“ Ist es zu viel, holt er es raus.

Der gebürtige Rastatter, der mit seiner Familie in Ettenheim lebt, ist ein Quereinsteiger. Vor der Prüfung zum Fachangestellten Bäderbetrieb hat er sowohl als Schreiner und als Medizinisch-Technischer Angestellter gearbeitet. Nebenbei hat er als Rettungsschwimmer mehrere Jahre in verschiedenen Schwimmbädern ausgeholfen, erzählt er. „Das hat mir gefallen.“ Seit drei Jahren ist er nun in Haslach und profitiert von beiden Ausbildungen. „Wir machen hier viel selbst“, sagt er mit Freude in der Stimme über sich und Schwimmbadchef Thomas Maier.

 

Tägliche Untersuchung des Freibadwassers

Für die nächste und zeitaufwändigste Aufgabe, sofern nichts Unvorhergesehenes zu erledigen ist, steigt der 48-Jährige in den Keller des Filtergebäudes. Jeden Tag müssen die Bademeister Wasserproben aus allen fünf Becken – Schwimmer-, Nichtschwimmer-, Rutsch- und Sprungbecken sowie Kinderbecken – ziehen und je zweimal chemisch untersuchen. „Zum einen bestimmen wir den Chlorgehalt jeder Probe, um die Verschmutzung zu erfahren und um eventuell gegensteuern zu können, zum anderen den pH-Wert.“ Alle zehn Werte werden dokumentiert. Zudem sind im Filtergebäude, wo das Wasser der Becken gefiltert und aufbereitet wird, diverse Zählerstände für Wasser und Gas abzulesen. Hinter einer separaten Tür sind die Chlorgasflaschen, die ebenfalls täglich zu kontrollieren sind.

Während die chemische Prüfung oder auch das Aktivieren des Springbrunnens im Kinderbereich Handarbeit ist, sind viele andere Aufgaben mit einem Knopfdruck zu bewältigen. So muss heute einer der großen Filter routinemäßig gespült werden. „Mit der Zeit setzt sich so ein Filter zu, und dann kehren wir den Wasserlauf kurz um. Damit wird das Sieb wieder frei und arbeitet anschließend normal weiter“. Was früher mit zwei Armen und viel Kraftaufwand bewältigt wurde, ist heute lediglich ein Knopfdruck. Wenig später faucht der Kompressor, der das Wasser kurzzeitig in die andere Richtung drückt. „Das läuft“, sagt Meyer. Nach einer knappen halben Stunde lässt er die Tür ins Schloss fallen. Im Schwimmerbecken herrscht mittlerweile nahezu Hochbetrieb. Mehr als 20 Schwimmer ziehen im Nieselregen ihre Runden.

Mit seiner grünen Kladde, in die er alle Werte eingetragen hat, geht Meyer zum Aufenthaltsraum. Die Werte müssen ins Betriebstagebuch übertragen werden, außerdem ist nach zwei Stunden Zeit für eine kleine Pause. Aber nur kurz: Denn natürlich hat der 48-Jährige beim Rundgang zwei, drei Kleinigkeiten entdeckt, die er angehen will, bevor seine Hauptaufgabe ansteht: für die Sicherheit der Badegäste zu sorgen. „Dann gilt meine volle Aufmerksamkeit den Besuchern, andere Tätigkeiten sind da nicht möglich.“